Wie Sie mit Bildern rhetorisch überzeugen ist keine Frage von Technik, sondern von Haltung. Bilder sind für jede Kommunikation sehr nützlich, sowohl echte als auch sprachliche. Denn Bilder können sich Menschen wesentlich leichter merken als Fakten, Zahlen oder andere abstrakte Inhalte.

Mit Bildern rhetorisch überzeugen ist einfach

Stellen Sie sich 5.000 Quadratmetern vor. Haben Sie es? Wenn ich diese Zahl in ein Bild kleide, haben Sie sofort eine Vorstellung von der Größe. Stellen Sie sich einen Fußballplatz vor, und schon haben Sie ein Bild von rund 5.000 Quadratmetern.

Gedächtniskünstler verwenden Bilderketten, um sich lange Zahlenreihen und andere Zusammenhänge merken zu können. Mit Bildern rhetorisch überzeugen bedeutet hier, unglaubliche Gedächtnisleistungen einzusetzen. Der Trick besteht darin, dass sie mit Bildern zusätzliche Areale des Gehirns einsetzen, die dann die Zahlen mit diesen Bildern verknüpfen. Aus den Bildern wiederum kreieren sie Geschichten, sodass die Reihenfolge leicht erhalten bleibt.

Mit Bildern rhetorisch überzeugen – Das Gedicht

Bitte lesen Sie das folgende Gedicht durch und versuchen Sie es dann wiederzugeben (Profis unter Ihnen kennen das schon):

Ein Zweibein sitzt auf einem Dreibein und isst ein Einbein. Da kommt ein Vierbein und nimmt dem Zweibein das Einbein weg. Daraufhin nimmt das Zweibein das Dreibein und schlägt das Vierbein.

Nun, haben Sie es wiedergeben können? Nicht wirklich? Na gut. Jetzt kommt die rhetorische Methode mit Bildern und Geschichte. So werden Sie das Gedicht nie mehr vergessen. Machen Sie aus dem Gedicht eine Bildergeschichte.

Was könnte hier passieren?

Ein Zweibein (Mensch) sitzt auf einem Dreibein (Hocker) und isst ein Einbein (Hähnchenschlegel)
Da kommt ein Vierbein (Hund) und nimmt dem Zweibein (Mensch) das Einbein (Hähnchenschlegel) weg
Daraufhin nimmt das Zweibein (Mensch) das Dreibein (Hocker) und schlägt das Vierbein (Hund)

Spielen Sie das Gedicht mit der Geschichte verknüpft nun einige Male durch. Stellen Sie sich zum abstrakten Begriff (Zweibein, Dreibein) immer das Bild aus der Geschichte vor (Mensch, Hocker). Nach kurzem Probieren werden Sie das Ursprungsgedicht mit den abstrakten Zahlenbegriffen fehlerfrei wiedergeben können.

Und das Beste: Sie werden es nie mehr vergessen. Hier sind einfach abstrakte Begriffe mit konkreten Bildern, hier ist die linke (rational) mit der rechten Gehirnhälfte (kreativ) verknüpft worden.

Bilder sind Krücken ins Gehirn

Bildhafte Sprache ist äußerst wirkungsvoll und lässt sich gut üben. Als „Krücken“ (das ist ein Bild) für bildhafte Sprache dienen Formulierungen wie „Stellen Sie sich vor …“, „Das sieht aus wie …“ oder „Man kann das mit … vergleichen“. Wenden Sie die Krücken gleich auf Ihre Produkte oder Dienstleistungen an. Womit kann man das, was Sie bieten vergleichen? Wie kann man sich das vorstellen, wenn man das benutzt?

Beispiele wie Sie mit Bildern rhetorisch überzeugen

Die Verkaufsentwicklung von Produkten, die zum geheimen Trend werden, können Sie sich vorstellen wie „eine Lawine“. Sie beginnt mit einer kleinen Verschiebung (= neues Produkt taucht im Markt auf, einige begeistern sich dafür und sprechen darüber), dann kommt immer mehr „Schnee“ (= steigender Absatz, mehr Kunden und Fans, mehr Öffentlichkeit – eventuell Insiderpresse) dazu. Das Tempo der Entwicklung nimmt zu, weil die „Schneemasse“ schwerer wird (immer Kunden und Fans, weitere Kreise werden aufmerksam). Das führt zu noch mehr „Mitreißeffekt“ …

Rhetorisch professionelle Kommunikation kann man mit einer guten Ehe vergleichen. Man kennt den anderen in- und auswendig, reagiert eher auf Körpersprache und Verfassung als auf den Inhalt der Worte und hat eine gute Beziehung zueinander. Man liest dem Partner Wünsche von den Augen ab, spürt die wahren Beweggründe und Gefühle hinter Worten und Verhalten. Die Partner schätzen sich und gehen liebe- und würdevoll miteinander um …

Wenn es darum geht, Klarheit zu schaffen, nutzen Sie die Kraft der Bilder. Wenn es darum geht, Emotionen zu entwickeln, nutzen Sie die Kraft der Bilder. Wenn es darum geht, lebendig und spannend zu erzählen, setzen Sie auf … Sie wissen schon. Testen Sie, wie Sie mit Bildern rhetorisch überzeugen können.

 

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