Rhetorische Fragen beim Vortrag machen Sie zum Meinungsführer, weitere kluge Fragen, sogenannte Wirkfragen, zum Publikumsversteher. Der gesunde Menschenverstand sagt schon, dass es einen einfachen Weg gibt, herauszufinden, was dem Publikum wichtig ist: Fragen Sie danach. Wer fragt, der führt. Das ist alt und abgedroschen und ebenso wahr. Ist es für Sie als Redner oder als Führungskraft nicht besser, zu wissen, wie Ihr Publikum oder Ihre Mitarbeiter ticken?

Wie setzen Sie rhetorische Fragen beim Vortrag ein?

Rhetorische Fragen beim Vortrag richtig zu stellen und einzusetzen, kann man in guten Rhetorikseminaren lernen. Und das sollte man, denn gute Fragen sind ein gewaltiges Überzeugungsinstrument. Auch bei Rede und Präsentation ist „Fragen“ ein wichtiges rhetorisches Mittel, um das Publikum für sich zu gewinnen. So erzielen Sie sofort Meinungsführerschaft, wenn Sie zu Beginn rhetorische Fragen stellen und das Publikum auffordern mit Handzeichen zu antworten – Ihr Publikum folgt schon am Anfang Ihren Anweisungen. Psychologisch werden Sie so zum Meinungsführer. Dazu kommt, dass Ihnen Ihr Publikum oder Ihre Mitarbeiter vom vorne herein als Redner einen Kompetenzvorschuss gewähren. Würden Sie nicht auch gerne überzeugend auftreten? Dann versemmeln Sie das nicht durch einen unprofessionellen Auftritt.

So werden Sie von Anfang an Meinungsführer

„Sie stellen eine rhetorische Wirk-Frage und damit geben Sie unausgesprochen eine Meinung vor. Unterbewusst stimmt das Publikum Ihrer unausgesprochenen Meinung zu: „Selbstverständlich Ja“ oder eben auch „Selbstverständlich Nein“. Das machen Sie drei-, viermal. Dadurch bringen Sie das Publikum quasi in einen Nick-Rhythmus, wie mit einem Walzertakt. Wer viermal wehrlos einem Redner zugestimmt hat, der akzeptiert damit unterbewusst den Redner als Meinungsführer, und diese Zustimmung überträgt sich dann auf sein Anliegen. Durch rhetorische Wirk-Fragen etablieren Sie sich als Meinungsführer. (…) Sie bilden einen (selbstverständlichen) Aussagesatz, der mit „alle/jeder“ oder „niemand/keiner“ beginnt. Und diesen Satz stellen Sie einfach in Frage. Und schon haben Sie eine rhetorische Wirk-Frage.“[i]

Beispiele für rhetorische Wirkfragen

  • Wer von Ihnen möchte Partner und Familie stets abgesichert wissen? Bitte Hand hoch! (Dazu müssen Sie ebenfalls eine Hand heben – „Hand hoch“ bitte nur bei rhetorischen JA-Fragen einsetzen)
  • Würden Sie ohne Fallschirm aus einem Flugzeug springen?
  • Wünschen Sie sich Chaos im Land?
  • Denken Sie, der BER ist ein Sinnbild für deutsche Wertarbeit?
  • Lügen Sie etwa immer, wenn sie den Mund aufmachen, wirklich immer?

So wirken rhetorische Fragen beim Vortrag

Damit rhetorische Fragen beim Vortrag wirken, müssen Sie, nachdem Sie die Frage gestellt haben, unbedingt eine Pause lassen. Nur dann macht eine Frage wirklich nachdenklich oder betroffen. Die Frage muss wirken dürfen. Viele Redner machen den Fehler Fragen zu stellen und gleich weiter zu sprechen. Der Zuhörer will die Frage gerade innerlich beantworten, aber leider bleibt ihm keine Zeit. Oder er beantwortet sie und verpasst so die nächsten beiden Sätze des Redners. Darauf reagieren manche Zuhörer allergisch. Mitarbeiter auf jeden Fall.

„Möchten Sie Ihre Selbstbestimmung und Freiheit wirklich auf´s Spiel setzen?“. Wenn Sie nach der Frage gleich weitersprechen, löst sich die Wirkung der Frage in Luft auf. Auf keinen Fall dürfen Sie nach rhetorischen Fragen selbst die Antwort geben. Das wirkt wie Bevormundung. Sie lassen keine Zeit nachzudenken. Dann können Sie die rhetorische Frage beim Vortrag auch weglassen. Die Pause also macht´s. Erst durch die Pause „bohrt sich der Pfeil in die Herzen der Zuhörer“ (Pöhm). Zusätzlich gilt, wer rhetorische Fragen beim Vortrag stellt und dann Pausen lässt, wirkt kompetenter und selbstbewusster als ein gehetzter Redner, der schnell sein Programm durchziehen will.

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[i] Pöhm: Vergessen Sie alles über Rhetorik, S.73
Buchtipp: Rhetorik für Chefs – drei unglaubliche Rhetorik-Methoden, Klicken zum E-Book
Bildnachweis: 123rf.com #57231397_xl

 

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